Eröffnungsrede zur Ausstellung „Unsere Leben, unsere Ängste“
Dieser Titel ist bewusst gewählt. Er klingt persönlich – und das ist er auch. Denn diese Ausstellung zeigt keine abstrakten Zahlen, keine theoretischen Begriffe und keine anonymen Schlagzeilen. Sie zeigt Menschen. Menschen mit Gesichtern, mit Geschichten, mit Hoffnungen – und mit Ängsten.
Die hier dargestellten Lebensgeschichten erzählen von Erfahrungen mit Rassismus. Von Ausgrenzung. Von Vorurteilen. Von verletzenden Worten oder Taten. Aber sie erzählen auch von Mut. Von Widerstandskraft. Von dem Wunsch, gesehen und gehört zu werden.
Rassismus ist kein fernes Problem. Er ist kein Thema, das nur in Geschichtsbüchern vorkommt oder ausschließlich in anderen Ländern existiert. Rassismus begegnet uns im Alltag – manchmal laut und offensichtlich, manchmal leise und versteckt. Und genau deshalb ist es wichtig, hinzusehen.
Unsere Ausstellung schafft einen Raum des Hinschauens. Einen Raum des Zuhörens. Einen Raum des Nachdenkens.
Als Schule tragen wir Verantwortung – nicht nur für Bildung im klassischen Sinne, sondern auch für Werte. Unser Jahresmotto lautet: „Wir gehen respektvoll und tolerant miteinander um.“
Doch Respekt und Toleranz sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie entstehen nicht einfach dadurch, dass wir sie auf ein Plakat schreiben. Sie entstehen durch Begegnung. Durch Empathie. Durch die Bereitschaft, die Perspektive anderer einzunehmen.
Respekt bedeutet, die Würde jedes Menschen anzuerkennen.
Toleranz bedeutet, Unterschiede nicht nur zu ertragen, sondern sie als Bereicherung zu verstehen.
Diese Ausstellung fordert uns dazu auf, genau das zu tun. Sie lädt uns ein, hinter Begriffe wie „Migrationshintergrund“, „Hautfarbe“ oder „Herkunft“ zu schauen – und den Menschen zu sehen.
Vielleicht werden manche Geschichten uns berühren. Vielleicht machen sie uns betroffen oder auch nachdenklich. Vielleicht stellen wir uns die Frage:
Was hätte ich getan?
Wie reagiere ich, wenn ich Ungerechtigkeit beobachte?
Wo kann ich selbst Haltung zeigen?
Eine Ausstellung allein verändert die Welt nicht. Aber sie kann Gespräche anstoßen. Sie kann Bewusstsein schaffen. Und sie kann Mut machen, im eigenen Umfeld für Respekt einzustehen.
Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, ist es wichtiger denn je, klar Stellung zu beziehen: Für Menschlichkeit. Für Vielfalt. Für ein respektvolles Miteinander.
Ich danke allen, die an der Planung und Gestaltung dieser Ausstellung mitgewirkt haben. Ihr Engagement zeigt, dass unsere Schulgemeinschaft nicht nur über Werte spricht, sondern sie lebt.
Ich wünsche uns allen offene Augen, offene Ohren – und vor allem offene Herzen.
Campusschulleiterin
Annett Drechsler
Fotoausstellung „Unsere Leben, unsere Ängste“ von Maline Bura an den Oberbarnimschulen
Wie ermöglicht man Menschen Teilhabe, die einerseits Ziel von Ausgrenzung und Anfeindung, andererseits aber häufig für die Gesellschaft unsichtbar sind? Die Zivilgesellschaft hat dazu vielfältige Möglichkeiten. Beispielsweise können Einrichtungen für Menschen mit Handicap geschaffen oder Beratungsstellen eingerichtet werden. Auch die Kunst kann ihren Beitrag leisten, indem sie Bewusstsein in der Öffentlichkeit schafft. So wie die Fotoausstellung „Unsere Leben, unsere Ängste“ der Fotografin Malina Bura, die es sich zum Ziel gemacht hat, marginalisierte Individuen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen.
Diese Fotoausstellung wurde nun, mit Hilfe der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, an den Oberbarnimschulen präsentiert. Nach Einleitungsworten von Campusschulleiterin Annett Drechsler, der Schulleiterin der Jugendakademie ev. Gymnasium Grit Penzler, den Beauftragten für Gleichstellung, Migration und Integration, Frau Dr. Setzkorn und Herrn Höhnow sowie der Leistungsstipendiatin Ronya Görner (10a), folgte eine musikalische Einlage von Theodor Höppner (9JA) am Keyboard. Anschließend trug Emilia Rebuck (10a) ausdrucksstark das Gedicht „Versuch, über Brandenburg zu schreiben“ von Maya Miyata vor. Lovis Strauß (12JA) war leider verhindert, weshalb Ronya Görner (10a) für ihn einsprang und seinen Essay zur Wortschöpfung „Zuhäuser“, einer Neuinterpretation des Heimatbegriffs, vorlas.
Anschließend wurde die Ausstellung für die vielen freiwillig anwesenden Schülerinnen und Schüler eröffnet. Vorgestellt wurden unterschiedliche Individuen, allesamt mit Diskriminierungserfahrung und Sorgen bezüglich einer zunehmenden Radikalisierung in der Gesellschaft. Schwarzweißportraits hoben die Kontraste dieser in der Gesellschaft häufig verblassenden Menschen stärker hervor. Daneben befanden sich persönliche Biographien, in denen Erfahrungen mit Behörden, dem Berufsumfeld und auch Diskriminierung und Gewalt beschrieben wurden. Für viele der Betrachterinnen und Betrachter gab es hier sicherlich Einblicke in Lebensrealitäten, welche man in dieser Form nicht kannte.
Wir bedanken uns sehr bei der Künstlerin Malina Bura und Victor Nagel von der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal für ihr Engagement.
Bilder (6): Herrn Sbresny, bearbeitet von Frau Penzler