Fausts Abgründe

„Alle aufstehen, Klasse!“, schallt es ohrenbetäubend laut durch die Aula der Oberbarnimschulen.

Am 19.06.2026 wird uns, den Klassen 10a und 10b der JA durch die Uckermärkischen Bühnen Schwedt der altbekannte Klassiker in „geraffter“ und fraglos moderner Form näher gebracht. Erzählt wird die Geschichte vom lebensälteren Dr. Faust, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht und mit ihm durch die Welt reist. Auf der Reise wird Faust verjüngt und ihm das lustvolle Leben gezeigt.

Dies bringt ihn zum jungen Gretchen. Es folgen Liebe, Sex und Laster. Folgen auch Verantwortung und Rettung? Eher nicht. Ein Schauspieler (Mateusz Grabowski) und ein Theaterpädagoge (Franz Kießling) haben es unter Einbeziehung eines Bildschirms geschafft den Klassiker auf wirklich einzigartige Weise zu vermitteln. Dabei werden nicht nur die eigentlichen Themen des Werkes, menschliche Erkenntnissuche, Religion, Liebe, sondern auch die Wirkung der modernen Medien auf uns Menschen in der heutigen Zeit behandelt. Viele Schüler*innen fürchteten, dass es sich um ein schwer verständliches Theaterstück handeln könnte, doch die Inszenierung zeigt sich rundum angepasst an das jugendliche Publikum.

Der Teufel Mephisto ist beispielsweise mittels Siri-Stimme dargestellt, der aufgrund seines frauenfeindlichen Textes viel diskutierte Song „Layla“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Stück. Die schauspielerische Leistung von Mateusz Grabowski ist überzeugend. Großes Lob dafür! Das anschließende Gespräch wird von Franz Kießling sehr kompetent, aber auch sympathisch und locker geführt. OffenenFragen können geklärt werden.

Eine Mitverantwortung für Gretchens schwierige Lebenslage trägt Faust, so urteilen die Schüler*innen. Und eine Rettung Fausts erfolgt nicht. Überheblich torkelt er hinaus: „I’m the one and only holy“ grölend… Zum 99. und letzten Mal wurde „Faust gerafft“ gespielt. Wir freuen uns auf weitere Klassenzimmerstücke der Uckermärkischen Bühnen! (Dieser Text ist eine „Kollektivarbeit“ der Klasse 10b, überarbeitet durch Ulla Steuber)

Fotos (5): Ulla Steuber

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