Direkt nach den Osterferien – also in jener pädagogisch sensiblen Phase zwischen Restmüdigkeit und langsam zurückkehrender Betriebsbereitschaft – machte sich unsere Gruppe mit dem Bus auf den Weg ins diesjährige Prüfungscamp nach Kolberg. Die Stimmung war insgesamt gelöst und durchaus zuversichtlich.
Nach der Ankunft wurden zunächst die Zimmer bezogen, bevor das Auftaktseminar begann. Im Anschluss stand ein Programmpunkt auf dem Plan, der inzwischen fast schon zum festen Inventar gehört: das Gruppenfoto am Wasser. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass organisatorische Abläufe an der Ostsee grundsätzlich besser funktionieren, wenn ein Fotoapparat beteiligt ist.
Der Dienstag begann sportlich mit Frühsport und Frühstück. Danach folgten die Auswertung der Simulationsprüfung sowie intensive Arbeitsphasen in Englisch und Mathematik. Dabei wurde recht deutlich: Die Prüfungen mögen noch bevorstehen, die inhaltlichen Baustellen waren jedoch teilweise schon gut sichtbar. Für einige führte das zu einem ersten sehr ehrlichen „Jetzt wird’s ernst“-Moment. Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass die Nachtruhe weitgehend eingehalten wurde – ein Umstand, der in Schülergruppen nicht als Selbstverständlichkeit verbucht werden sollte und deshalb ausdrücklich Anerkennung verdient.
Am Mittwoch standen nach dem Frühstück Statistik, Stochastik und stilistische Übungen auf dem Programm. Nachdem Köpfe und Nerven ausreichend beansprucht worden waren, verlagerte sich der Schwerpunkt am Nachmittag auf den sportlichen Bereich. Neben verschiedenen Bewegungsangeboten sorgte insbesondere die Kletterwand für Aufmerksamkeit. Dort stellte Finn L. einen bemerkenswerten Rekord auf, indem er sich mithilfe von Staffelstäben die Wand hinaufarbeitete. Auch wenn diese Form des Kletterns bisher noch keinen festen Platz im olympischen Programm hat, war die Darbietung ohne Zweifel konkurrenzlos.
Der Abend klang mit dem gemeinsamen Essen und einer Blitzlichtrunde aus. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur an der Kletterwand Fortschritte erzielt wurden. Auch im mathematischen Bereich zeigten sich Entwicklungsschritte, besonders in der Wahrscheinlichkeitsrechnung, wo es bei einigen Schülern zu durchaus beeindruckenden Erkenntnismomenten kam. Später am Abend – und, wie man hört, teilweise auch noch darüber hinaus – wurde viel gelacht. Nähere Ausführungen dazu unterbleiben an dieser Stelle im wohlverstandenen Interesse aller Beteiligten.
Der Donnerstag stellte die Gruppe vor eine Herausforderung ganz eigener Art: konzentriertes Textverständnis. Es wurde viel gelesen, genau gelesen und vor allem ausdauernd gelesen. Dass das zugrunde liegende Material den Titel Hard Land trug, erwies sich dabei als fast schon unangenehm treffend. Selten hat ein Titel den bevorstehenden Arbeitsaufwand so zuverlässig angekündigt.
Parallel dazu wurde auch intensiv an der mündlichen Englischprüfung gearbeitet. Die Schüler wurden dabei vom bewährten Dream Team McKelly gecoacht, bis Wortschatz, Redemittel und spontane Reaktionsfähigkeit mehrfach durch alle verfügbaren Gehirnregionen bewegt worden waren. Erste Fortschritte waren deutlich hör- und sichtbar – auch wenn einzelne Beiträge noch eine gewisse kreative Eigenlogik aufwiesen und nicht immer vollständig mit dem eigentlichen Thema zusammenfielen.
Auffällig war zudem, dass zwei Schüler ihr Englisch auf sehr individuelle Weise mit ihrem äußeren Erscheinungsbild kombinierten – begleitet von täglich wechselnden Band-Shirts, unter anderem von The Cure, System of a Down und Guns N’ Roses. Ganz unpassend war das nicht: Zwischen vorsichtiger „Heilung“, gelegentlichen Stimmungstiefs und einzelnen etwas schärfer formulierten Äußerungen entwickelte sich der sprachliche Auftritt im Laufe der Tage durchaus beachtlich weiter.
Der Freitag bildete mit einer gemeinsamen Abschlussrunde den Schlusspunkt des Prüfungscamps. Bei der Auswertung wurde sichtbar, wer nicht nur fachlich gearbeitet, sondern auch persönlich und mental an Sicherheit gewonnen hatte.
Der Bus zur Rückfahrt traf pünktlich ein, und nicht nur Leander zeigte sich erleichtert bei dem Gedanken, den Abend wieder im eigenen Bett verbringen zu können. Kolberg verabschiedete sich mit Sonnenschein und dem durchaus beruhigenden Eindruck, dass die anstehenden Prüfungen nun etwas weniger bedrohlich wirkten als noch zu Beginn der Woche.
Text: Lembke/ Grützner/ Chatty
Fotos (22): McNelly, Lembke